Montag, 29. August 2016

No. 6 - Kind sein. Ich erinnere mich!

"Manche Menschen haben vergessen, dass sie klein waren." Damit es dir nicht auch mal so ergeht, musst du dich erinnern. Auf Seite 45 gibt es eine "Ich erinnere mich" - Aufgabe. Ich hab' ein paar Tage darüber nachgedacht, es dauerte tatsächlich ein wenig, bis ich mich an besondere Situationen erinnerte... aber jetzt bin ich ganz zufrieden mit meinen Erinnerungen und dem wieder gefundenen Kind. Ein paar Fotoalben wurden auch entstaubt. Danke, Susanne!!

***

1. Ich erinnere mich an wilde Spiele zwischen den Häusern. Mit vielen Kindern, die man nicht erst anrufen musste. Die waren einfach da, darauf konnte ich mich verlassen.

2. Ich erinnere mich an Wellblechgaragen. An Baustellen, die nach Aufbruch rochen. An Kohleeimer, die ich aus dem gruseligen Keller schleppen musste. Dann nicht mehr. Denn eine dieser Baustellen war eine Zentralheizung. Da gab es dann Löcher in der Zimmerdecke für die Rohre, durch die man den anderen Familien im Mietshaus streiten oder lachen und die Väter samstags "Tooooooooor!" rufen hören konnte.

3. Ich erinnere mich an dunkle Heimwege, die man mir zutraute.

4. Ich erinnere mich an Schlittenfahren, umherstreifen, gemeinsame Schulwege.

5. Ich erinnere mich an Bahnfahrten, auch lange, auf weinroten oder grünen Kunstledersitzen.

6. Ich erinnere mich an ein gelbes Kleid, das ich hasste. Und Otto - Kataloge, aus denen grundsätzlich gekauft wurde.

7. Ich erinnere mich an Opa mit seinem Schneewalzer auf dem Plattenspieler und der Camel - Packung in der Kippe. Klein und schwarzhaarig und mit Malzbier für mich bei jedem Besuch, das ich heute noch gern trinke.

8. Ich erinnere mich an meine ausgedachte Freundin, die sogar einen Steckbrief in mein Steckbriefbuch geschrieben hat. Nur sie hat mich damals wirklich verstanden.

9. Ich erinnere mich an Geburtstage, die nicht meine waren, denn es war immer auch der Geburtstag meiner Oma, die wohl wichtiger zu sein schien als ich. Ich erinnere mich, dass ich erst mit 12 endlich einen eigenen Kindergeburtstag bekam.



10. Ich erinnere mich an flirrende heiße Luft im Sommer, als ich 8 war. Ich erinnere mich an das Gefühl, eins mit der Hitze zu sein.

11. Ich erinnere mich an gebotene lange Spaziergänge an Sonntagen. Ich konnte der Landschaft nichts abgewinnen und fand alles langweilig (bis auf Berge und Gewitter). Schade, dass ich damals die Freude meines Vaters am Wandern nicht nachvollziehen konnte. Heute kann ich es und bringe die Erinnerung in die Gegenwart. Dann ist mein Papa manchmal mit mir im Wald unterwegs.



12. Ich erinnere mich und finde das Kind in mir.

Dienstag, 23. August 2016

No. 5 - Was mich vergnügt oder: Lustifikation

Ab Seite 33 geht es um die Freude am Leben, die Lustifikation, die "Vitamine für die Seele". Du sollst einfach mal überlegen und wahrnehmen, was dir eigentlich tagtäglich Vergnügen bereitet. Ich war erstaunt, wie viel da so ganz spontan zusammenkam. Auf Seite 36 findet man Susannes Aufzählung, die mir sehr gut gefällt. Aber ich will nicht zu viel verraten. Lest selbst!! :)

Hier ist meine, ganz spontane, Lustifikationsliste:

Ein Lauf in der Morgensonne. Das Knistern von Kandis im Tee. Fachwerkhäuser. Wind. Wenn ich meine, die Percht in der Raunacht zu hören. Vollmond und Stille. Sternschnuppen. An meinem Mann schnuppern. Wäsche zusammenlegen, die in der Sonne getrocknet wurde. Katzenfell (mit Katze). Einen Brief schreiben. Ein Paket aufmachen. Wenn etwas funktioniert. Lakritze. Das Geräusch einer gerade geöffneten Flasche Wasser. Ein See, ruhig in der Abenddämmerung. Nackt schwimmen (in diesem See). Weiches Garn zwischen den Fingern. Wenn ein Strickstück wächst. Etwas erfinden. Etwas können. Kinderlachen. Hühner. Ein gutes Essen. Freunde haben. Sommerferien. Farben. Regenbogen. Gott. Den Acrylfarbspuren eines Künstlers auf seinem Bild nachfühlen - alternativ eine alte Baumrinde erkunden. 3D-Kino. Musik. Wenn andere Menschen glücklich sind. Hügel. Wasserläufe und Quellen. Wilde Tiere beobachten. Schmetterlinge. Wärme. Wenn etwas gelingt. Ein erfüllter Wunsch. Ein flacher Bauch. Alte Fotos. Brücken. Segelschiffe. Wenn ein Fremder gut nach einem mir unbekannten Parfum duftet. Räucherstäbchen. Kreisende, rufende Raubvögel. Etwas lernen. Kirchenräume erkunden. Die Zeit dehnen. Einen neuen Weg gehen. Eine unverhoffte (und vielleicht auch unverdiente) Umarmung bekommen. Mich in einem Schreibwarenladen aufhalten und lauter Stifte ausprobieren. Landkarten. Instagram - Posts vom Jakobsweg. Federn, weil sie mich an Engelsflügel erinnern. Eine Lesestunde in der Sonne. Von einem Berggipfel herunter schauen. Heiß Duschen nach einem langen Lauf.



Freitag, 19. August 2016

No. 4 - Schön!

Manchmal sind auch auf den ersten Blick hässliche Dinge schön, wenn man genauer hinschaut. Dabei schult sich auch der Blick: Wir sind es mittlerweile ja gewohnt, die blöden und hässlichen Dinge und Situationen wahrzunehmen. Mit der kleinen Übung auf Seite 28 könnte sich das ändern.

Aufgabe ist es, von einem Spaziergang 5 Fundstücke mit nach Hause zu bringen. Irgendwas. Und dann sollst du die verborgene Schönheit dieser Dinge finden - und anpreisen. Mal schauen!




1. Sehen Sie dieses wunderbaren, trockenen Stängel! Es hat im Verlaufe seiner Trocknung eine bizarre und einzigartige Form entwickelt. Außerdem ist er nun hohl, so dass Insekten darin einen sicheren und geschützten Unterschlupf finden können.

2. Nun möchte ich Sie auf den herzallerliebsten Rotklee aufmerksam machen. Obwohl es tausende davon gibt, ja sogar Millionen - dieser ist dennoch einzigartig. Bienen halten sich dort gern auf und sein unaufdringliches Rosarot gibt einer Wiese das ganz besondere Etwas. Die Blüten strecken sich zum Himmel. All das erinnert uns doch an uns selbst: Wir sind einzigartig, gestalten unsere Welt und sollten uns immer zum Himmel strecken.

3.  Die Flaumfeder war mein erstes Fundstück. Ich liebe Federn! Diese hat im unteren Drittel einen herrlich weichen grauen Flaum, der oben in ein reines, leuchtendes Weiß übergeht. In der Spitze hat meine Feder noch etwas ganz Besonderes, das man auch auf dem Foto erkennen kann: einen grauen Punkt. Bei jeder noch so leichten Luftbewegung gibt die Feder nach und schwingt leise mit. Das fasziniert mich! Sie ist weich, warm und einfach schön, auch wenn sie ihre Aufgabe, einen Vogel warm zu halten und ihm beim Fliegen zu helfen, nicht mehr wahrnehmen kann.

4. Eine Acrylglasscherbe. An ihr finde ich schön, dass man Geschichten um sie herum erfinden kann. Wer hat sie verloren? Wie lange lag sie schon dort? Wozu gehörte sie? Warum sind diese kreisförmigen Absplitterungen entstanden? Wird sie vermisst? Ist sie möglicherweise aus irgend einem Grund unersetzlich? Herrlich, wie eine kleine Scherbe die Fantasie anregen kann!

5. Ein bisschen ähnlich ist das mit meinem größten Fundstück, einem Bruch-Ziegelstein. Er lag halb in der Erde, die ihm jetzt auch noch großflächig anhaftet. Auf der Vorderseite findet sich ein glitzernder Bereich. Eine Seite ist ganz perfekt gerade geschnitten, auf der anderen Seite ist sie zerbrochen. Der Stein hat also irgendwie immer beides, Yin und Yang, Ganz und Kaputt, Sauber und Verschmutzt, Funktion und Schrott. Das gefällt mir. Und die Farbe des Ziegelsteins mag ich, das warme Rot. Schön!

Jetzt bist DU dran. Auf geht's, Fundstücke und ihre Schönheit entdecken!


Donnerstag, 11. August 2016

No.3 - Das Auja! - Prinzip

Mein Auja! - Tag war ja eigentlich schon vorgestern. Aber seit dem bade ich in Renovierungsarbeiten, so dass an Schreiben gar nicht zu denken war. Nun geht's wieder  -  auch, wenn noch nicht fertig renoviert ist. :)

Susanne schlägt auf Seite 22 vor, dass man allem, was einem so an einem Tag entgegen kommt, mit einem laut ausgesprochenen Auja! begegnet. Also, dass man das versucht. Abends sollst du überlegen, wie oft du das getan hast und was es verändert hat. Mich hat das Auja! an das "Ach was!" aus dem Lachyoga erinnert. Es fühlt sich auch so ähnlich an und wirkt fast genau so. Beim "Ach was!" kommt eben noch die locker wegwerfende Handbewegung dazu (die mir so gut gefällt!). Such dir einfach aus, ob es Auja! oder Ach was! sein soll.....


Bei mir: Die Spülmaschine, die ich mal schnell nebenbei anwerfen wollte, braucht Klarspüler (noch da) UND Sals (nichtmehrda). Auja! Ein erwarteter Geldbetrag lässt auf sich warten. Auja! Ein erwarteter Anruf bleibt aus. Auja! Eine Maschine, die ausgeliehen werden soll, kostet doppelt so viel wie erwartet. Auja! Die ferienverwöhnten Teenager stehen auch beim vierten Wecken nicht auf - Auja! Es gibt keine Berliner mit Pflaumenmus. Erst wieder im Dezember. Auja! Ein Autofahrer hupt mich beim Stehenbleiben am Stoppschild an. Auja!

Was das Auja! verändert? Zum einen nehme ich Ärgernisse bewusst erstmal wahr. Dann steht mir eine gehörige Portion (Galgen)Humor zur Verfügung. Die hilft wirklich super. Denn ganz ehrlich - an keiner der oben erwähnten Situationen kann ich was ändern (okay, Weckdienst vielleicht durch Eimer mit Wasser ersetzen würde helfen, aber neue Ärgernisse hervorbringen ;) ). Was soll's also? Dann doch lieber das Auja - Prinzip anwenden und was (mich) ändern. Und mich weniger ärgern.

Viel Spaß dabei!

P.S. Dieser Tag könnte der beste meines Lebens werden. Der Regen fällt so wild wie noch nie. Ich könnte Gummiboot fahren und dabei die Zunge rausstrecken (und wie ein Löwe brüllen) oder mir vorstellen, es würde Gold regnen. Kleine, wilde, glitzernde Goldnuggets. :)


Montag, 8. August 2016

No. 3 - Sachensucher sein

Auf den Seiten 14 und 15 stellt Susanne Niemeyer unsere alltägliche Sicht von "Sachen" ein wenig in Frage. Auch Pippi Langstrumpf meint ja, dass die Welt voll von Sachen sei und es wirklich nötig wäre, dass sie jemand findet. :) Auf den folgenden Seiten gibt es dann 50 "Sachenschnipsel", die für einen kleinen Selbstversuch genutzt werden können. Da ich es aber einfach nicht über mich bringe, Buchseiten zu zerschneiden - selbst wenn ich, wie hier, von der Autorin höchstpersönlich die Lizenz dazu kriege - habe ich die 50 Sachen einfach selber noch mal auf Karteikarten geschrieben.

Schon beim Schreiben dachte ich: Och, das hier wird es am Schluss sein - oder, ach nee, sicher das hier! Man soll nämlich 2 beliebige Schnipselkärtchen ziehen, eins ganz spontan behalten, ein neues ziehen, wieder entscheiden usw.  Ziel des kleinen Experiments:

Am Ende hältst du eine Sache in der Hand. Welche? Mach was damit!

Das mit dem spontan entscheiden ist echt gut - da kommt nämlich etwas ganz anderes raus, als ursprünglich gedacht! Ich war schon einige Male fest davon überzeugt, dass ich diese Karte sicher behalte, obwohl noch etliche da waren - bei "Hund" zum Beispiel, oder "Erdbeere" - aber dann war es am Ende einfach




Ich weiß jetzt wirklich noch nicht, was ich mit diesem Knopf mache. Immerhin bieten sich ganz schön viele Möglichkeiten: annähen, verschenken, am Sonntag in den Klingelbeutel tun, mit Nagellack verschönern, gegen etwas anderes eintauschen (so sollen schon Leute von einer Büroklammer zum Haus gekommen sein!) oder in meine Schatzkiste legen... ich weiß noch nicht. Jetzt steck ich ihn erstmal in meine Hosentasche!

P.S.
Von den Kärtchen sollen auch noch andere was haben. Deshalb werde ich einen Geocache daraus machen und die Kärtchen samt Anleitung auswildern. Ich schreib euch dann auf, wo ihr den "Sachenschatz" finden könnt!

Sonntag, 7. August 2016

No.2 - "Eine Welt, die mir gefällt"

Auf Seite 12 von Sieben Tage Leichtsinn finden sich 3 Beispieltexte, die mit "In einer Welt, die mir gefällt," beginnen. Die ganze Seite 13 lässt dir also viel Raum, deine eigene Welt mit Worten zu kreieren. Mir gefällt übrigens Susannes mittlerer Text am besten:

In einer Welt, die mir gefällt, hat keiner Schuld, aber jeder Verantwortung. Es gibt Bücher, Heckenrosen, singende Eisverkäufer und noch nicht erfundene Erfindungen. Brot schmeckt wie Brot und der Sommer misst sich in Barfußtagen. Morgens um sieben gibt es Tee, jedenfalls für mich. Schwarzen Tee mit Milch und Zucker. Andere können gern was anderes trinken.

Ich versuch's mal! Eine Welt, die MIR gefällt:

In einer Welt, die mir gefällt, werden große Entscheidungen von Menschen mit Weisheit, Weitsicht und Liebe gefällt. Alle schaffen es, auch mal einen Fehler zuzugeben und haben Lust, immer besser zu werden. Meine Welt strahlt in allen Regenbogenfarben und alle fühlen sich reich, geliebt und wichtig. Gott sitzt mit uns am Strand, in der Schule und auf dem Flur im Krankenhaus. Katzenstreicheln ist zufriedene Pflicht und im Gegensatz zu Glück spielt Zeit keine Rolle.

So, und jetzt: DEINE Welt!